REZENSION: ELFENKRONE VON HOLLY BLACK
- Lea
- 30. Juli
- 11 Min. Lesezeit
Elfen sind nicht friedliebend, sondern nachtragend, hinterlistig und gewalttätig. Jude wurde von dem Mörder ihrer Eltern ins Elfenreich verschleppt und obwohl sie Angst vor all den Geschöpfen hat, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als dazuzugehören.

Wow! Spannung bis auf die letzte Seite und eine vollkommene neue und zugleich erschreckende Welt mit einer starken Hauptcharakterin namens Jude. Ich bin fasziniert und sprachlos zugleich, kann mich nicht entscheiden, ob ich sie mag oder nicht. An Ideenreichtum und Wendepunkten mangelt es dieser Geschichte nicht.
„Elfenkrone“ ist ein High-Fantasy-Roman von Holly Black, übersetzt von Anne Brauner und veröffentlicht in der Random House Verlagsgruppe. Jude wird noch als Kind ins Elfenreich entführt und obwohl ihr Entführer ihr alles schenkt, was sie braucht, fühlt sie sich ausgegrenzt und will unbedingt dazugehören – und das, obwohl Menschen im Elfenreich eher als Sklaven gehalten werden. Jude sehnt sich nach Nichts anderem als Macht und ist dafür auch bereit, ihre Gefühle zur Nebensache werden zu lassen. Doch wie viel ist sie tatsächlich bereit für ihre Chance zu zahlen?
WELTENBAU.
Das Elfenreich existiert inmitten unserer Welt. Die Elfen, Kobolde, Pixies ... können ohne Probleme unter uns leben, doch die meisten ziehen sich in eine ungestörte Gegend zurück und bilden sogenannte Höfe, die von Königen und Königinnen regiert werden. Tatsächlich sind die Elfen ein ziemlich grausames Völkchen. Sie mögen Blutbade, Gewaltschauspiele und die fiesesten Elfen haben in der Regel auch die Macht inne. Es geht hauptsächlich darum, wer in der Lage ist, die anderen Elfenvölker zu besiegen und so Macht über sie auszuüben.
Und so gibt es den Hochkönig Eldred, der mehrere Elfenhöfe unter sich versammelt hat. Er hat mehrere Kinder mit verschiedenen Frauen, die seine Nachfolge garantieren. Die Krone kann nur in einer Blutlinie weitergegeben werden und jemand aus der Königsfamilie muss den neuen König oder die neue Königin krönen – hierbei ist es aber nicht unbedingt relevant, wer als erstes geboren wurde. Alle Nachfahren des Königs eignen sich als Erbe oder Erbin.
Elfen entführen Menschen in der Regel, um sie sich als Diener anzueignen. Sie verzaubern oder vergiften sie, damit sie tun, was die Elfen von ihnen wollen. Da Menschen im Gegensatz zu den Elfen sterblich und einfach in Schach zu halten sind, nutzen die Elfen die Menschen aus und machen sich über sie lustig. Andere magische Wesen stehen zwar ebenfalls unter den Elfen, werden jedoch mit Respekt behandelt.
HAUPTPERSONEN.
Jude ist ein Mensch und hat eine Zwillingsschwester Taryn. Außerdem hat sie eine Halbschwester Vivienne und die wiederum hat einen Halbbruder Oak, wobei beide Elfen sind. Wie kommt es zu dieser Konstellation? Judes Mutter war mit einem Elfengeneral vermählt. Als sie jedoch schwanger wurde (mit Vivienne) floh sie mit ihrem Geliebten aus dem Elfenreich und brachte dann Jude und Taryn zur Welt. Der General Madoc spürt seine Frau jedoch auf und bringt sie sowie ihren Geliebten um. Daraufhin nimmt er seine Tochter, aber auch Taryn und Jude mit ins Elfenreich und kümmert sich um sie. Er heiratet neu und bekommt zusammen mit der neuen Frau, seinen Sohn Oak.
Wie oben schon erwähnt, wünscht sich Jude nichts sehnlicher, als endlich zu den Elfen zu gehören. Den Sticheleien und dem Mobbing der Mitschüler*innen hält sie tapfer stand, doch sie wird zunehmend wütender, weil sie nicht länger zusehen und deren Spielzeug sein möchte. Für dieses Ziel trainiert sie hart, denn nur, wenn sie eine Kunst (für Jude ist es der Kampf) meistert, kann sie von einer Elfe oder einem Elfen am Hof zur Ritterin geschlagen werden.
Im Kontrast zu ihr, versucht ihre Zwillingsschwester, dazuzugehören, indem sie einen adeligen Elfen heiratet. Vivienne, die ja eigentlich schon dazugehört, sehnt sich jedoch einzig und allein danach, das Elfenreich zu verlassen. Allein die Liebe zu ihren Schwestern hält sie dort, damit sie sie beschützen kann, wenn es zu gefährlich wird.
Für die Geschichte relevant ist noch eine Vierergruppe, die mit Taryn und Jude zur Schule gehen. Die Gruppe besteht aus Priny Cardan, dem jüngsten der sechs Königskinder. Mit ihm unterwegs sind immer Valerian, der Gewalt über alles liebt, Nicasia, welche Macht sucht, und zuletzt Locke, der von sich behauptet, keine Langweile ausstehen zu können. Wenn nichts passiert, sorgt er dafür, dass sich etwas ändert.
WIE WAR'S DENN JETZT?
Holly entführt uns in eine sagenumwobene Welt, die einen Großteil ihres Glanzes verliert, weil wir hinter die Kulissen blicken dürfen. Elfen, die Menschen mit Früchten vergiften, um sie fügsam zu machen. Eine Brutalität, die den Elfen von vielen Geschichtenschreiber*innen aberkannt wird. Und eine Wut, die sich in der Hauptcharakterin Jude immer mehr verdichtet. Um das zu erreichen, was sie will, verrät sie nicht nur ihre Familie, sondern geht auch über Leichen.
Durch die Andersartigkeit der Welt und der fehlenden festen Beschreibung, wie z.B. ein Elf aussieht (hier gibt es keine festen Regeln), fiel es mir zu Beginn schwer, in die Geschichte einzusteigen, doch je tiefer ich in die Story eindrang, desto leichter fiel es mir. Ich freue mich auch darüber, eine Charakterin gefunden zu haben, mit der ich selten einer Meinung bin. Trotzdem kann ich ihre Entscheidungen gut nachvollziehen. Und ich finde es gut, dass es dieses Mal nicht die große Liebe im Fokus stand, sondern die Spannung.
Hier meine Buch-Einschätzung
Genre: High Fantasy
Zielgruppe: eher weiblich, 14-30 Jahre
Einschätzung: 5 von 5 Sterne
Leseempfehlung: Mit Elfenkrone tauchst du in eine wundersame Welt ein, die von heimtückischen Wesen regiert wird. Jude ist eine starke, junge Frau und will sich beweisen, bis sie am Ende lernt, nicht nur die Konsequenzen ihrer Entscheidungen, sondern auch Verantwortung zu übernehmen. Holly hat mehrere schöne Wendepunkte eingebaut und hat auch kurz vor dem Schluss noch eine Überraschung für uns. Daher gibt es eine klare Leseempfehlung von mir!
Für all diejenigen, die nun hier zu lesen aufhören, gibt es zum Schluss noch eins meiner Lieblingszitate:
Dennoch bereue ich es bis jetzt noch nicht. Nachdem ich gesprungen bin, will ich jetzt fallen. (S. 67)
INHALT DES BUCHES – ACHTUNG SPOILER!
Wer noch mehr über meine Meinung und Einblicke in Elfenkrone wissen möchte, ist hier genau richtig. Ich werde jedoch das ein oder andere Detail ausplaudern, das mir während des Lesens der Geschichte in den Sinn gekommen ist.
Elfenkrone beginnt mit dem Mord an Judes Eltern und springt dann in die Gegenwart, in der Jude bereits siebzehn Jahre alt ist. Die Zeit für sie und ihre Schwester wird allmählich knapp, denn sobald sie erwachsen sind, stehen sie nicht mehr unter Madocs Schutz. Um Teil des Hofes zu werden, müssen sie entweder in ihn einheiraten oder eine Kunst meistern und dann von jemanden in den Ritterstand erhoben werden. Aus diesem Grund möchte sich Jude beim Sommerturnier beweisen und eine grüne Scherpe tragen – das Zeichen dafür, dass sie in den Ritterstand aufgenommen werden möchte.
Ich will bei dem Turnier nicht so gut abschneiden wie ein Elf. Ich will gewinnen. Es geht mir nicht darum, es ihnen gleichzutun. Ich sehne mich von Herzen danach, sie zu übertrumpfen. (S. 47)
Doch nicht nur ihr Ziehvater möchte das verhindern. Auch Cardan und sein Team wollen verhindern, dass Jude diese Chance bekommt. Indem sie ihr Angst einjagen, versuchen sie Jude von dem Turnier fernzuhalten.
Doch eines verstehen sie nicht: Ja, sie machen mir Angst, aber ich kenne es nicht anders, denn so war es von Anfang an. Der Mann, der meine Eltern ermordet hat, zieht mich hier groß, in einem Land voller Ungeheuer. Ich lebe mit dieser Furcht, die mir bis in die Knochen kriecht, aber ich schenke ihr keine Beachtung. Würde ich nicht so tun, als hätte ich keine Angst, würde ich mich auf Madocs Anwesen bis in alle Ewigkeit unter meiner Überdecke aus Eulendaunen verstecken. Dort würde ich liegen bleiben und schreien, bis nichts mehr von mir übrig wäre. Ich wiegere mich, das zu tun. (S. 46 f.)
Je mehr sie unternehmen, um Jude von dem Turnier abzuhalten, desto größer wird ihr Trotz und ihr Hass. Dennoch nimmt Jude am Turnier teil. Zunächst hält sie sich zurück, doch als Cardan sie ein Mal mehr beleidigt, entflammt ihre Wut erneut und sie gewinnt mit ihrem Team jeden Kampf. Cardan verlangt nach dem Kampf von ihr, sich ihm zu unterwerfen. Jude kniet vor ihm nieder, doch sie schafft es nicht, sich bei ihm zu entschuldigen. Stattdessen sagt sie Folgendes:
Ich werde mich weiter zur Wehr setzen. Ich werde dich mit meinem Trotz blamieren. Andauernd erinnerst du mich daran, dass ich nur eine elende Sterbliche bin, während du ein Elfenprinz bist. Dann darf ich dich darauf hinweisen, dass das bedeutet, du hast viel zu verlieren, ich aber nichts. Kann sein, dass du am Ende gewinnst, indem du mich verfluchst und verletzt und demütigst, doch ich werde dafür sorgen, dass du alles verlierst, was ich dir im Laufe meines Untergangs entreißen kann. (S. 100)
Tatsächlich lässt Cardan sie ziehen, während sein Freund Locke ihr gratuliert und ermutigt, sich weiter gegen ihn zu stellen. Jude hat allerdings Angst davor, dass Cardan sie irgendwann verzaubern könnte, sodass sie alles tun muss, was er von ihr verlangt. Als sie nach Hause kommt, wartet bereits Cardans älterer Bruder Dain auf Jude. Dain ist der Auftraggeber von Madoc und soll nach Eldred der neue König werden. Er schlägt Jude einen magischen Handel vor: Sie wird seine Spionin, dafür macht er sie immun gegen (fast) alle Elfenzauber. Obwohl ihr Ziehvater ihr andere Werte beigebracht hat, stimmt Jude zu und von nun an, kann ihr nur noch Gift und Dains Zauber gefährlich werden.
Der erste Auftrag kommt umgehend am nächsten Morgen. Sie soll sich in das Zuhause eines anderen Königssohns einschleichen und etwas Verdächtiges suchen. Anstatt zur Schule zu gehen, erledigt sie den Auftrag. Sie findet tatsächlich einen Brief, in dem geschrieben wurde, dass der Absender weiß, wo ein bestimmtes Gift zu finden ist. Prinz Dain ist außerordentlich begeistert und Jude erhält von nun an Unterricht von anderen Spionen namens Kakerlak, Geist und Bombe. Außerdem beginnt Jude, sich selbst in geringen Dosen zu vergiften, um gegen diese Elfenwaffe stückchenweise immun zu werden.
Offenbar gelingt es mir nicht, mich wieder zu einer pflichtbewussten Tochter zu verbiegen. Ich verliere die Kontrolle. Ich verliere mich selbst. (S. 183)
Neben ihren Übungsstunden bei den Spionen, nimmt Jude nun auch Trainingssessions bei Madoc wahr. Außerdem kommt sie Locke näher. Auch wenn ich als Leserin nicht das Gefühl habe, dass sie ihn wirklich liebt, genießt Jude seine Aufmerksamkeit – die Aufmerksamkeit eines Elfen. Eines Abends bleibt Jude sogar über Nacht und darf sich etwas aus Lockes Zuhause mitnehmen. Sie entscheidet sich für eine goldene Eichel.
Valerian gefällt es überhaupt nicht, das Jude mehr und mehr Macht unter den Freunden erhält und bedroht sie schließlich, woraufhin Jude ihn aus Notwehr stark verwundet.
Prinz Dain ist wütend auf Jude, wegen eines Angriffs auf Locke. Er fordert sie heraus, ihre Treue zu beweisen, indem sie sich ein Messer durch die Hand rammt. Sie tut dies zähneknirschend, aber Prinz Dain ist zufrieden mit der Strafe, die sie sich selbst auferlegt hat.
Kurz vor der Krönungszeremonie entdeckt Jude, dass sich die goldene Eichel von Lockes Mutter öffnen lässt und sie erkennt, dass das Schmuckstück eine Art Hilferuf enthält und zwar von Lockes Mutter. Sie kündigt an, dass sie vergiftet worden war und ihr Sohn weit weg vom königlichen Hof großgezogen werden solle. Offensichtlich war dies nicht Erfüllung gegangen.
Als Jude in der Nacht von Valerian, der sie umbringen will, aus dem Schlaf gerissen wird, tötet sie ihn. Jude verscharrt die Leiche hinter dem Stall und als das Krönungsfest beginnt, tanzt sie wie alle anderen. Als Locke zu ihr kommt freut sie sich, doch die Freude verebbt, als dieses Gespräch zustande kommt:
„Liebst du mich genug, um meinetwegen zu weinen?“ Locke haucht die Worte an meinen Hals. Als ich seinen Atem spüre, stellen sich die kleinen Nackenhärchen auf, und ich erschauere in einer seltsamen Mischung aus Lust und Unbehagen. „Du meinst, wenn dir jemand wehtäte?“ „Ich meine, wenn ich dir wehtäte.“ Meine Haut kribbelt. Das gefällt mir nicht, aber wenigstens weiß ich, was ich sagen will. „Wenn du mir wehtust, weine ich nicht. Dann tue ich dir auch weh.“ (S. 281)
Cardan „rettet“ sie aus der Situation, nur um ihr einmal mehr zu sagen, wie sehr er sie hasst.
Seine Augen glühen wie Kohlen, sein Hass ist etwas Lebendiges, das zwischen uns schimmert wie die Luft über schwarzen Steinen an einem heißen Sommertag. (S. 61)
Die Krönungszeremonie beginnt und Jude will sich zu ihrer Familie durchschlagen, als sie ihre Zwillingsschwester mit Locke sieht. Taryn, die angekündigt hatte, dass jemand sie heiraten wolle – sie aber den Namen nicht verraten könne, empfindet ganz offensichtlich Zuneigung zu ihm. Auch wenn Taryn sie nie belogen hat, hat sie doch zugelassen, dass Jude Gefühle für Locke entwickeln konnte.
Ich hasse Taryn. Ich hasse Madoc. Ich hasse Locke. Ich hasse Cardan. Ich hasse sie alle. Ich hasse sie nur nicht genug. (S. 338)
Die Krönungszeremonie beginnt und sobald der Vater die Krone abgesetzt hat, fordert Prinz Balekin seinen Bruder Bain zum Kampf heraus. Als dieser nicht kämpfen will, durchsticht ihn Madoc mit seinem Schwert, was Jude in eine Schockstarre versetzt, da sie all die Zeit annahm, ihr Vater und Bain wären gut befreundet gewesen. Ich als Leserin bin tatsächlich nicht sonderlich darüber überrascht, da sich das in vielen Nebensätzen schon herauskristallisierte. Dennoch erhöht es die Spannung und ich kann gut mitfiebern.
Bevor die beliebte, ältere Schwester die Krone erhalten kann, tötet Balekin sie und als sich der Hochkönig Eldred weigert, seinem Sohn die Krone aufzusetzen, ermordet Balekin zunächst seine Geliebte und dann ihn. Balekins zweite Schwester stimmt zu, ihn zu krönen, doch bevor sie dazu kommt, wird sie erschossen. Als die dritte Schwester das sieht, bringt sie sich selbst um. Und so bleibt nur noch Cardan, der die Krönungszeremonie durchführen kann. Doch der ist verschwunden.
Die Könige und Königinnen der untergebenen Höfe, geben Balekin eine Gnadenfrist, bevor sie ihn den Krieg erklären und Chaos bricht aus. Während sich Jude unter den Tischen versteckt und versucht, den Palast zu verlassen, stößt sie zufällig auf Cardan. Er bringt sie in Sicherheit, doch sobald sie sicher sind, dreht Jude den Spieß um und nimmt ihn als Gefangenen. Endlich hat sie das, was sie immer wollte: Macht, denn die wichtigste Person liegt in ihren Händen.
Sie lässt Cardan allein bei den anderen Spionen und geht nach Hause, um einen Plan zu schmieden. Dort erfährt sie viele neuen Dinge:
Locke hat um Taryns Hand angehalten (keine große Überraschung)
Vivienne will endgültig abhauen und hofft, dass Jude mitkommt (auch keine große Überraschung)
Die meiste Zeit finde ich keinen Gefallen daran, mir das Leben vorzustellen, das ich hätte führen können, das Leben ohne Magie, in dem ich auf eine normale Schule gegangen wäre und normale Dinge gelernt hätte. Doch jetzt und hier stelle ich es mir vor, und sofort bin ich völlig verspannt und werde von einem merkwürdigen Gefühl überwältigt, das mir schwer im Magen liegt. Das ist eine Panikattacke. Wenn die Wölfe kommen, um diese Jude zu holen, wird sie auf der Stelle aufgefressen – und Wölfe kommen immer. Es macht mir Angst, mich so verletzlich zu sehen. Andererseits bin ich so, wie ich jetzt bin, auf dem besten Weg, selbst ein Wolf zu werden. Was auch immer das Wesen der anderen Jude ausmacht, den Teil, der in ihr heil geblieben ist und in mir zerbrochen ist – es könnte rettungslos verloren sein. (S. 348)
Oak ist überhaupt nicht Oaks Kind, sondern Lockes Halbbruder - riesige Überraschung!!
Tatsächlich hatte sich Lockes Mutter, die die Geliebte von Hochkönig Eldred war, wohl auch mit Prinz Dain vergnügt und wurde schwanger – was im Elfenreich eher selten vorkommt. Der König teilt seine Geliebten jedoch nicht gerne und da es eine Prophezeiung gibt, nach der Dain niemals König werden konnte, solange das Kind lebt, hat er Lockes Mutter vergiftet. Judes Ziehmutter hat Oak in letzter Sekunde aus der sterbenden Mutter geschnitten und als ihr eigenes Kind verkauft. Nun hat jedoch Madoc den Plan, Oak krönen zu lassen, aber als sein Vertreter zu regieren – solange bis Oak angeblich alt genug dafür ist. Jude bezweifelt jedoch, dass er von seiner gewonnen Macht jemals wieder zurücktreten würde. Daher sieht Jude sich gezwungen zu handeln.
Das kommt davon, wenn man etwas zu sehr begehrt: Man vergisst nachzusehen, ob es nicht schon verfault ist, bevor man es runterschlingt. (S. 356)
In diesem Sinne trete ich aus meinem zweiten Leben wie aus meinem ersten mit zu wenigen Dingen und schwer verunsichert, was die unmittelbare Zukunft betrifft. (S. 408 f.)
Gemeinsam mit den Spionen und Cardan heckt Jude einen Plan aus. Sie will die Krone stehlen und Cardan, der absolut nicht König werden will, muss sie Oak aufsetzen. Vivienne soll dann Oak nehmen und mit ihm in die Menschenwelt verschwinden. Um das alles umzusetzen verlangt Jude Gehorsam von Cardan. Obwohl er das nicht gut findet, unterwirft er sich ihr für ein Jahr und ein Tag. Dann starten sie in den Abend.
Der Showdown beginnt. In einem Zweikampf beseitigt Jude Madoc, indem sie sich und ihn vergiftet. Dann geht alles recht schnell. Bombe, Kakerlak und Geist stürmen die Feier, stehlen die Krone und sie haben den Plan fast erfüllt. Als Cardan sich niederbeugt, um Oak zu krönen, befiehlt Jude ihm, sich nicht mehr zu bewegen. Er muss tun, was sie gesagt hat, und mit ansehen, wie statt Oak ihn krönt.
Davon bin ich super überrascht, doch es erscheint sinnvoll. Cardan hätte niemals zugestimmt, den Thron zeitweise zu besetzen, aber die anderen Elfen hätten ebenfalls keinen Menschen als Truchsess akzeptiert, sodass Jude die Krone niemals hätte sichern können, bis Oak alt genug wäre.
Ich bin beeindruckt. So viel Spannung bis in die letzte Seite. Ich bin gespannt, wie die Feindschaft zwischen Cardan und Jude weitergeht, da sie nun einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Außerdem frage ich mich, ob Oak am Ende tatsächlich auf den Thron kommt. Ein wirklich fantastisches Abenteuer, mit Spannung und Liebe, wobei zum ersten Mal – seit ich rezensiere – nicht die Liebe an sich im Fokus steht. Vielen Dank, Holly, für diese spannende Geschichte!



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